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 Betreff des Beitrags: Voice Acting - Stimmen mit Effekten verändern
BeitragVerfasst: 25 Sep 2011, 21:17 
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Registriert: 09 Mai 2008, 16:36
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Dieser Beitrag, soll sich damit beschäftigen, wie man Stimmen mit Effekten verändern kann.

Er basiert im Wesentlichen auf Stimmen, die ich in Veil of Corruption II verwendet habe und hat daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Er soll vielmehr einige Beispiele geben, die in der Praxis vorgekommen sind und sicherlich auch bei anderen Projekt zum Tragen kommen könnten.

Ich setze voraus, dass der Umgang mit einer Editing Software wie Audacity, Reaper oder Audition geläufig ist. Hier kann ich auch nur sehr begrenzt und bedingt Hilfestellung leisten und auf keinen Fall für jede Software erläutern, wo sich welcher Effekt und welche Einstellung befindet. Bitte dazu einfach mal Google benutzen und nach entsprechenden Tutorials suchen (gibt es massenhaft im Internet).

Nachstehend erläutere ich anhand von verschiedenen Beispielen, wie man Stimmen manipulieren kann und welche Effekte dafür notwendig sind.

Einleitend hierzu habe ich mal aus Wikipedia Links kopiert, die die verschiedenen Effekte aus technischer Sicht beschreibe. Wer also hier nähere Infos benötigt, sollte sich vorher diese Artikel durchlesen.

Flanger: http://de.wikipedia.org/wiki/Flanger
Pitch/Transponieren: http://de.wikipedia.org/wiki/Pitch_shifter
Kompressor: http://de.wikipedia.org/wiki/Kompressor ... rarbeitung)
Chorus: http://de.wikipedia.org/wiki/Chorus_(Tontechnik)
Echo: http://de.wikipedia.org/wiki/Echo
Hall: http://de.wikipedia.org/wiki/Nachhall

Vorweg noch einen Hinweis zu Effekten. Viel hängt natürlich davon ab, wie man die Effekte einstellt. Ich bitte um Verständnis, dass ich hier nicht die Feineinstellungen für die verwendeten Effekte erläutern kann, zumal diese sich ja eh programmbezogen unterscheiden können. Das Feintuning ist also letzendlich Euch überlassen und wirkt sich nicht unerheblich auf das Ergebnis aus.
Ich selber will hiermit eher den Ratschlag geben, welche grundsätzlichen Effekt-Kombinationen sich für welche Anforderung verwenden lassen.

Auch muss erwähnt werden, dass die Vorlage, also die Sprachaufname, viel Einfluss auf das Ergebnis hat. Eine schlecht gesprochene oder unpassende Aufnahme (in Bezug auf die Art und Klangfärbung der Stimme) kann vermutlich auch der beste Tontechniker nicht retten. Beispielsweise wird es schwer möglich sein die aufgenomme Stimme eines Kleinkindes so zu manipulieren, dass sie hinterher wie Deathwing klingt. Man muss sich also im Vorfeld schon Gedanken machen, wie die Aufnahme gesprochen wird.

Wer ein paar wirklich gute Tipps hierzu braucht, sollte sich hier im Forum einmal das Voice-Acting Tutorial von Matt Greenburg anhören. Ist zwar in englisch gesprochen, aber sehr gut verständlich und beruht auf vielen Erfahrungen und dem große Talent von Matt: viewtopic.php?f=25&t=244

Geisterhafte, gruselige Stimme (z.B. für Banshee, Naga, Geister, etc.)

Dieser Effekt wurde in VoC für Azshara verwendet.
Hier zunächst einmal die trockene Version ohne Effekte.

Aszhara trocken

Und hier die modifizierte Version:

Aszhara modifiziert

Verwendete Effekte:

Flanger: Um die Stimme zu doppeln und gruseliger wirken zu lassen. Der Flanger gibt der Stimme den wesentlichen Anteil des geisterhaften Klangs.

Echo: Um die Stimme mehr in den Hintergrund zu rücken und den Eindruck zu erwecken, dass sie aus einer gewissen Distanz spricht.

Hall: Um dem Ganzen noch etwas mehr Tiefe zu verleihen

Ptich/Transponieren: Weil mir die usprüngliche Aufnahme von der Tonlage etwas zu hoch war habe ich sie noch um ein paar Halbtöne runter gesetzt.

Zusätzliche habe ich die Aufnahme auf einen zweiten Track gestetzt und um ein paar Milisekunden nach hinten versetzt. Das ist im Prinzip ein Chorus Effekt, allerdings ohne weitere Modifikationsmöglichkeiten. In einigen Fällen wie diesem, gibt das der Stimme den Klang einer Dopplung, was hier sehr gut passt. Alternativ kann man natürlich auch direkt einen Chorus einsetzen und diesen entsprechen einstellen.

Tiefe und grollende Stimme (z.B. Taure, Orc, größere Wesen, etc.

Diesen Effect habe ich unter anderem für die Stimme von Lorc verwendet. Ohne eine halbwegs tief gesprochene Vorlage sind die Ergebnisse allerdings nicht immer zufriedenstellend.

Ich erläutere die Verwendung der Effekte anhand von zwei Beispielen

1) Lorc (Taure)
2) Torfdön (Orc)

Lorc / Taure

Lorc in der trockenen Version

Lorc trocken

Lorc in der modifizierten Version

Lorc modifiziert

Verwendete Effekte.

Ptich/Transponieren: Um die Stimme noch tiefer wirken zu lassen.

Multiband-Kompressor: Um die Dynamik zu verstärken und gerade auch leisere Passage, die beim Aufnehmen von tiefen Stimmen vorkommen können, besser hervor zu heben

Hall: Da die Szene aus der die Aufnahme stamm in einer Höhle stattfand, habe ich das entsprechend durch Hall simuliert.

Equalizer: Ein wenig Bass und Höhen angehoben und die Mitten gelassen (ähnlich des aus dem HiFi-Bereich bekannt Loudness-Effekts)

Zusätzlich könnte man auch noch einen Chorus verwenden, um der Stimme ein wenig mehr Grollen zu verleihen. Das hat aber häufig den Nachteil, dass die Stimme dann unnatürlicher und unmenschlicher wirkt, was ich in diesem Fall nicht wollte. Es lohnt sich aber auf jeden Fall bei solchen Stimmen einfach mal mit einem leichten Chorus (am besten ein Bass-Chorus) rumzuspielen.

Torfdön / Ork

Auch hier sei vorweg gesagt, dass das starke Grollen in der Stimme von Torf nicht oder nur schwer durch Effekte erzeugt, wohl aber verstärkt werden kann. Auch hier muss die Vorlage (also die Aufnahme) schon eine gewisse klangliche Qualität haben, was stark am Sprecher hängt. Ohne diese Voraussetzung wird man das Ergebnis nicht zufriedenstellen hinbekommen.

Hier nun Torf in der trockenen Version.

Torf trocken

Und hier die modifizierte Version:

Torf modifiziert

Verwendete Effekte:

Chorus: Der Stimme noch mehr Tiefe verleihen und durch die Dopplung gewaltiger wirken lassen (2 Stimmiger Bass Chorus)

Flanger: Das Grollen unterstützen und damit den Ork-Effekt verstärken (Vocal Flange)

Multiband-Kompressor: Dynamik verbessern und leise Passagen otpimieren

Pitch / Transposer: Ein paar Halbtöne tiefer gesetzt, um den Ork noch überzeugender wirken zu lassen.

Equalizer: Bässe und Höhen leicht angehoben. Mehr Bass passt sehr gut zu einem Ork.

Hall: Leichter Halleffekt, um die Stimme noch etwas breiter und voluminöser wirken zu lassen

Stimme für Untote

Hier habe ich meine eigene Interpretation eines Untoten in Form von Varath aus VoC als Beispiel genommen. Gerade bei Untoten hängt wiederum viel davon ab, wie man die Stimme einspricht. Einen Archetyp gibt es in meinen Augen nicht. Man sollte nicht zu viel an der Stimme manipulieren, damit sie nicht zu künstlich wirkt. Leichte Veränderungen sind hier Trumpf.
Varath als Stimme basiert eher auf einer krächzenden, gedrückten Stimmfarbe. Sie soll auch ein wenig seinen gequälten Charakter zum Ausdruck bringen und Autorität ausstrahlen, sowei ein wenig angsteinflössend sein. Aus Ihr spricht auch immer im Unterton ein wenig Zynismus und Hasse.
Andere Varianten könnten eine leichte gurgelnde Stimme oder eine sehr dumpfe tiefe Stimme sein. Untote ware Menschen und Menschen unterscheiden sich. Genauso sollte es auch bei Stimmen von Untoten sein.

Hier also Varath in der trockenen Version:

Varath trocken

Und hier die modifizierte Variante:

Varath modifiziert

Verwendete Effekte:

Chorus: Bass Chorus 2-stimmig, um ein wenig des natürlichen Klangs zu nehmen und der Stimme etwas mehr Tiefe zu verleihen, damit sie ein wenig mehr wie ein unnatürliches Wesen wirkt

Flanger: Leichter Flanger um das Krächzen und Grollen zu untermalen.

Multiband-Kompressor: Wie schon bei den o.g. Beispielen, um mehr Dynamik zu erzeugen

Equalizer: Bässe hoch und Höhen hoch. Mitten hat die Stimme schon genug.

Hall: Leichter Halleffekt, um mehr Tiefe zu geben

Die Effekte sind hier im Gegensatz zu den oben genannten Beispielen eher dezent eingesetzt, um die Stimme noch etwas besser zu betonen und die Klangfarbe, wie Krächzen und Grollen zu untermalen.

Abschließende Worte

Ich hoffe dieses Tutorial hilft ein wenig bei Euren "Experimenten". Es beruht im Wesentlichen auf Erfahrungen, die ich durch Ausprobieren erlangt habe. Aus rein technischer Sicht muss hier nicht alles richtig sein bzw. würde vielleicht von Fachleuten anders interpretiert werden. Daran störe ich mich nicht, da mir persönlich das Praxiswissen wichtiger ist.

Je nach Art der Stimme gibt es letztendlich verschiedene Effekte, die die Stimme noch besser charaktereriesen können. Im Grundsatz geht es aber im Wesentlich darum eine gute Vorlage noch besser zu machen und durch die Effekte die Klangcharakteristika herauszustellen.
Seid expermentierfreudig. Probiert verschiedene Einstellungen miteinander aus und macht dann ein wenig Feintuning, um das Wunschergebnis zu bekommen. Es lohnt sich, hier am Anfang Zeit zu investieren und die passende Einstellung zu suchen.

Je nachdem welches Ziel man hat kann man dann die Stimme mit mehr oder weniger Effekten belegen.
Vergesst im Vorfeld nicht, Störgeräusche zu filtern bzw. die Datei von solchen zu säubern. Effekte verstärken nämlich nicht nur die Stimme, sondern auch die Störgeräusche. Achtet auf auf den Masterpegel. Einige Effekte verstärken das gesamte Signal und es kann leicht zum Übersteuern kommen. Das kann man verhindern, indem man den Eingangspegel etwas runter dreht.

Zum Abschluss bleibt zu sagen, dass ich mich über Feedback und Ergänzungen natürlich wie immer sehr freue und wünsche allen viel Spass beim Ausprobieren.

Viele Grüße

Varath

_________________
Varath - Site Admin
Blackhand Pictures Machinima
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