Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Aktuelle Zeit: 24 Okt 2017, 13:33



Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 5 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Der Tod eines Helden
BeitragVerfasst: 27 Sep 2011, 22:13 
Benutzeravatar
Offline

Registriert: 10 Nov 2008, 19:10
Beiträge: 304
Manchmal ist es für die Spannung des Films nützlich, eine der Hauptrollen sterben zu lassen. Das mag einerseits genutzt werden, um ein Bedrohungspotential für den eventuellen Bösewicht aufkommen zu lassen, um den Helden einen Dämpfer zu geben, um die Grausamkeit oder Überlegenheit des Gegners hervorzuheben oder um einfach nur das "geht weiter, lasst mich zurück" Klischee auszuspielen. Je nach Todesgrund sollte sich auch die Inszenierung unterscheiden. Wenn sich ein zuvor lieb gewonnener Held opfert um den Rest freien Rückzug zu verschaffen, dann erwartet man auch einen heldenhaften Abgang. Mal ein paar Beispiele, ich hab die Farbe verändert damit die Spoiler nicht direkt erkennbar sind, einfach markieren zum Lesen

Herr der Ringe - Die Gefährten (Spoiler):
Heroisch: Nachdem Boromir von der Macht des Rings verführt wurde, verspürt er Reue und stürmt los um den Hobbits zu helfen, die gerade angegriffen werden. Im Kampf wird er Hinterrücks von einem Pfeil niedergestreckt. Er sammelt nochmal eine Kraft und erschlägt noch einige Orks, während er weitere Pfeile einsteckt, bis er schließlich zu Boden geht.

Starcraft 1 (Spoiler):
Tragisch: Kerrigan landet zusammen mit Raynor auf einem verfeindeten Planeten, um dort mit einem Psi-Transmitter die Zerg-Aliens anzulocken, dass sie die Basen der Feinde überrennen. Kaum ist der Transmitter positioniert, zieht der General alle Shuttels ab und lässt Kerrigan, gegen die er eine alte Groll hegte, auf dem Planeten dem sicheren Tod zurück. Raynor ist hilflos und kann seine Geliebte nicht vor dem "Tod" bewahren (auch wenn noch eine Storywendung folgt)

Armageddon (Spoiler):
Martyrer: Der Vater hält den Freund seiner Tochter davon ab, sich selbst zu opfern, und geht an seiner Stelle selbst in den sicheren Tod und sprengt den Kometen, um seiner Tochter und ihrem Geliebten die Zukunft zu sichern, obwohl er ihn eigentlich nicht leiden kann

Gladiator (Spoiler):
Vermächtnis: Der Imperator vergiftet Maximus vor dem Duell, zu dem er ihn gefordert hat um ihn von seiner ungerechten Herrschafft zu stürzen. Mit letzter Kraft schafft er es noch den Imperator zu besiegen und Rom zu befreien, bevor er selbst dem Gift erliegt

WOW - Pforte des Zorns
Hass für den Feind: In einem Hinterhalt werden die Helden von Allianz und Horde, die sich gerade Arthas zum Kampf stellen, von den Verlassenen mit Seuchenfässern ausgelöscht. Arthas ist angeschlagen, aber einige der größten Helden beider Seiten sind durch den Verrat von einem "Bündnispartner" gestorben.

Serenity (Spoiler):
Verbesserungswürdig: Beim Anflug auf einen Planeten wird das Raumschiff von Außerirdischen verfolgt. Der Pilot fliegt Ausweichmanöver und schafft eine Bruchlandung (warum eigentlich Bruchlandung?!?) in einem Hangar. Kaum ist das Schiff zum Stehen gekommen, wird ein Speer durch die Scheibe geschossen und spießt den Piloten auf. Der Rest macht sich auf zum Rückzug

Das Problem bei der ganzen Sache ist: Der Zuschauer mag es in der Regel nicht, wenn eine lieb gewonnene Figur wegstirbt. Wenn sie das schon tun, muss es wenigstens "cool" sein oder sollte zumindest die Handlung weiter bringen. Bis auf das letzte Beispiel sind die Tode meiner Meinung nach alle gut in Szene gesetzt. Warum nicht das letzte? Zu dem Zeitpunkt wo er stirbt, war die dramatische Stelle schon vorbei. Er hätte genauso gut an jeder anderen Stelle sterben können.

Meckern ist leicht, besser machen schwer. Aber bleiben wir mal bei Serenity. Mit einer kleinen Änderung, kann man die Dramatik deutlich verbessern, in dem man den Todesstoß zeitlich nur leicht verschiebt (Spoiler):
Der Anflug auf den Planeten geht los, plötzlich taucht aus einer Wolke frontal ein Schiff auf und schießt den Speer ins Cockpit. Der Pilot ist schwer getroffen und sammelt seine letzten Kräfte um das Schiff noch heil runter zu bringen und um seiner Crew das Leben zu retten. Mit dem letzten Atemzug bringt er das Schiff zum Stehen und seine Freunde sind vorerst gerettet.

Auf diese Art hätte der Tod einen Sinn gehabt, indem er trotz schwerer Verwundung noch seinen Freunden das Leben rettet. Wenn ihr einen Helden oder eine lieb gewonnene Figur opfert, macht es bitte so, dass es der Figur würdig wird... verheizt eure Helden nicht, es könnte der Publikumsliebling gewesen sein...

Diese Ausführungen sind 100% meine subjektive Meinung und haben keinerlei wissenschaftliches Fundament ;)
EDIT: Abgrenzung zu Hauptrollen, ihr könnt beliebig viele Nebendarsteller verheizen ;)

_________________
Etwas anders besser zu finden, heißt nicht, dass es nicht gefällt...


Zuletzt geändert von Shartun am 28 Sep 2011, 17:54, insgesamt 1-mal geändert.
Nach oben
  Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Der Tod eines Helden
BeitragVerfasst: 28 Sep 2011, 11:55 
Moderator
Offline

Registriert: 23 Apr 2009, 11:36
Beiträge: 178
Beim Heldentod muss man sich auch die folgenden Fragen stellen:

Ist es denn ein Held der nur gutes tat?
> Anakin Skywalker ist da ein passendes Beispiel. Erst ist er der unschuldige Junge, der die Reise zum Helden vollzieht (so wie später Luke). Doch nachvollziehbar wandelt er sich und wird schließlich böse. In Teil 6 würde ich dennoch von einem Heldentod sprechen. Der (gefallene) Held kann durch sein Opfer quasi den anderen Helden helfen und sich damit wieder rein waschen.

Wieviele Helden sind gut für die Nutzung des Heldentodes?
> Nehmen wir als Beispiel den Film "300". Da bekommen nur wenige einen Namen und etwas mehr Screentime. Der Rest wird am Ende gnadenlos verheizt. Im Sinne der Dramatik sterben nur wenige den Heldentod, aber den Tod finden alle Helden. Die Zahl der Helden sollte also überschaubar sein, da man sonst zuviel Zeit aufwenden muss. Und irgendwann ist der Heldentod auch verbraucht, wenn zum x-ten Mal jemand in Zeitlupe mit dramatischer Musik stirbt.

Bleibt der Held denn wirklich tot?
> Auch ein gern genutzter Kniff. Die Bösen töten den Helden nur scheinbar (oder beleben ihn untot, etc.) und verwenden ihn später gegen die anderen Helden. Ob der gefallene Freund dann gerettet oder erlöst werden kann sei dahin gestellt. Der andere Kniff wäre es so aussehen zu lassen als stirbt der Held und dann zeigt man Gandalf im Trailer zu Teil 2. Mein Gott hab ich mir da an den Kopf gegriffen. ^^

Welche Auswirkung hat der Heldentod?
> Versetzt dieses Opfer nochmal zusätzlich in Rausch? Motiviert es die letzte Kraftanstrengung zu unternehmen? Oder stürzt es in tiefe Trauer? Rührt der scheidende Held die Zuschauer? Letztlich hängt die Reaktion stark davon ab wie sehr der Charakter zuvor präsent war. Schließlich muss er ja erst als Held aufgebaut werden und den Bösen aus ersichtlichen Gründen ein Dorn im Auge sein, um nicht als "Peon 32" einfach umgeboxt zu werden.

_________________
"Ich werde die Zeitmaschine zerstören und mich der Erforschung von etwas viel wichtigerem zuwenden...den Murlocs!"
Nach oben
  Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Der Tod eines Helden
BeitragVerfasst: 28 Sep 2011, 12:46 
Benutzeravatar
Offline

Registriert: 09 Nov 2008, 15:39
Beiträge: 333
Niridias hat geschrieben:
Der andere Kniff wäre es so aussehen zu lassen als stirbt der Held und dann zeigt man Gandalf im Trailer zu Teil 2. Mein Gott hab ich mir da an den Kopf gegriffen. ^^


Um die Trailermacher da ein wenig in Schutz zu nehmen: Es wäre schwer gewesen einen Clip mit Szenen aus Die Zwei Türme zusammenzuschustern OHNE dass Gandalf im Bild zu sehen ist. ^^
Nach oben
  Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Der Tod eines Helden
BeitragVerfasst: 28 Sep 2011, 18:29 
Site Admin
Benutzeravatar
Offline

Registriert: 09 Mai 2008, 16:36
Beiträge: 639
Karash hat geschrieben:
Niridias hat geschrieben:
Der andere Kniff wäre es so aussehen zu lassen als stirbt der Held und dann zeigt man Gandalf im Trailer zu Teil 2. Mein Gott hab ich mir da an den Kopf gegriffen. ^^


Um die Trailermacher da ein wenig in Schutz zu nehmen: Es wäre schwer gewesen einen Clip mit Szenen aus Die Zwei Türme zusammenzuschustern OHNE dass Gandalf im Bild zu sehen ist. ^^


Und weiterhin. Wie viele wussten denn "nicht", dass Gandalf gar nicht tot ist. Jaja schon gut, es gibt genug Unwissende auf dieser Welt.

Back on topic.

Ich würde den Heldentot einzig und alleine von der Nützlichkeit für die Story abhängig machen Bringt es die Story voran, wenn er stirbt oder nicht.

Natürlich kann man das nicht pauschal auf alle Stories anwenden. Wenn man einen Film mit dem Titel "Rambo" dreht, wird es nicht ganz so einfach John Rambo sterben zu lassen.
Gott sei Dank hatte ich bisher in meinem Film dieses Problem noch nicht. Ganz offen gesagt: In VoC kann ich im Prinzip jeden sterben lassen und die Story hätte trotzdem ihr gewünschtes Ende.
Hmm...vielleicht passiert das ja auch. Mal sehen wen wir alles noch so verrecken lassen :D

Gruss

Varath

_________________
Varath - Site Admin
Blackhand Pictures Machinima
Nach oben
  Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Der Tod eines Helden
BeitragVerfasst: 17 Okt 2011, 11:06 
Benutzeravatar
Offline

Registriert: 17 Okt 2011, 10:54
Beiträge: 21
Danke für die vielen tollen Tipps.
Einiges davon beantwortet sich ja teilweise von allen. Vieles sollte man aber eben doch wissen, dahingehend ist der Thread wirklich nützlich.
Nach oben
  Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 5 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron