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 Betreff des Beitrags: Farbenlehre und Kameranutzung
BeitragVerfasst: 01 Jun 2010, 15:23 
BHP Team
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Registriert: 11 Jun 2008, 00:01
Beiträge: 86
Hallo zusammen !

Ich hab mich heute mal ein wenig hingesetzt und bin durchs Netz gesurft auf der Suche nach einigen Anhaltspunkten, wie man Bilder - und damit auch Filme - ansprechend in Szene setzen kann.
Die Informationen zu dem Thema sind recht stark gestreut und ich denke ich werde einen längerfristiges Projekt daraus machen, die ein oder andere Information zu dem Thema zusammen zu tragen und hier dann zu bündeln.

Inwiefern Intresse oder Bedarf daran besteht, weiß ich überhaupt nicht einzuschätzen - vielleicht erzähle ich mit diesem Thread ja auch niemandem was Neues. Aber diejenigen müssen sich daran ja auch nicht weiter stören ;)

Parallel dazu werde ich versuchen, den Thread zur Drehbuchtheorie wieder zu beleben und den ein oder anderen Auszug aus den Volltexten heranzuziehen, insofern das jeweilige Urheberrecht nicht berührt wird.
Bisher besteht der Thread ja aus einer recht lieblosen Sammlung von Literaturangaben - vielleicht gelingt es ein wenig Substanz hinzu zu fügen.

Betrachtet diesen Thread bitte als in ständiger Überarbeitung befindlich. Anregungen sind gern gesehen, werden gesichtet und aufgenommen.


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Theoretische Grundlagen


Der goldene Schnitt:

Der goldene Schnitt ist im Prinzip eine grobe Richtlinie, wie man die Aufteilung eines Bildes so gestalten kann, dass sie als instinktiv harmonisch empfunden wird. Das Prnzip des goldenen Schnittes ist überall in der Natur weit verbreitet und es gibt nahezu keinen Bereich der Schöpfung, in dem er nicht Anwendung finden würde.
Gute erste Eindrücke davon bekommt man bei Wikipedia und Youtube:

http://de.wikipedia.org/wiki/Goldener_Schnitt
http://www.youtube.com/watch?v=tbFGTv7Gw10


7 Farbkontraste nach Itten
Ein guter Artikel über die Wirkung von Farbkontrasten und ihren Einsatz für die Harmonie eines Bildes findet man hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_Farbkontraste

Farbensonne bei Küppers

Die Farbensonne nach Küppers ermöglicht es schnell und unkompliziert zu einer gegebenen Farbe die entsprechende Komplementärfarbe zu ermitteln. In Kombination mit der Kontrastlehre nach Itten ein nicht zu unterschätzendes Werkzeug:

http://de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 1127171941

Ein paar Kompositionsbeispiele für den extrem häufig verwendeten orange/blau Kontrast findet ihr bei folgendem Bild:

Bild




Anwendungsgebiete in Film und Photographie


The rule of Thirds - Drittelregel

Ein einfache Faustregel zur Positionierung von Objekten in Bildern ist die sog. "Drittel-Regel", die direkt auf das Prinzip des goldenen Schnittes zurückgreift:

Drittel Regel der Photographie
http://de.wikipedia.org/wiki/Drittel-Regel

Man achte hierbei auch auf den Farbkontrast zwischen Blau und Orange

Drittel Regel auf Youtube:
http://www.youtube.com/watch?v=cU155RWdk4I
http://www.youtube.com/watch?v=ENHKjb8ltAM


Vermeidung von Achsensprüngen (180 Grad Regel)
Ein Achsensprung ist ein Filmschnitt, mit dem die Handlungsachse (eine gedachte Linie zwischen zwei oder mehr Akteuren, bei Interviewszenen die Blickachse) übersprungen wird. Ein Achsensprung kann beim Zuschauer Desorientierung verursachen, da die Anordnung und Blickrichtung der Akteure im Frame sich relativ zum Zuschauer zu verändern scheint.

Weitere Details hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Achsensprung


30 Grad Regel
Die 30-Grad-Regel besagt, dass eine Einstellung in einem Film aus einem Winkel (bezogen auf die Achse Kamera-Bildinhalt) aufgenommen sein sollte, der mindestens um 30 Grad von der vorhergehenden Einstellung abweicht, um einen flüssigen, nicht als sprunghaft empfundenen Schnitt zu gewährleisten. Dabei muss die Einstellung so gewählt werden, dass sie der 180-Grad-Regel nicht widerspricht, da sonst ein Achsensprung entstehen würde.


Die Kamera:


Camera Shots:

Establishing shot:
Der establishing shot ist eine spezielle Form der Totalen Einstellung. Sie gibt dem Zuschauer einen Überblick über die folgende Szene. Diese Einstellung ist vor allem direkt nach einem Ortswechsel wichtig, um in die neue Örtlichkeit einzuführen.

Youtube-Beispiele:

Leon der Profi:
http://www.youtube.com/watch?v=Q7O5W208wns

Shawshank Redemption:
http://www.youtube.com/watch?v=wyDifF2_Csk


Long Shot
(englisch long shot, LS, auch wide shot) Der Begriff wird verwendet, wenn eine Person oder Gruppe vollständig in ihrer Umgebung, also total zu sehen ist, die Landschaft aber nicht den Hauptbildinhalt ausmacht. Der Mensch erscheint zwar größer als in der Supertotalen, aber immer noch relativ unwichtig. Die Totale wird häufig für Establishing Shots eingesetzt. In Filmen, die überwiegend oder nur aus Totalen bestehen, wirken die Akteure unnahbar. In Dokumentarfilmen sind totale Einstellungen oft häufiger als in Spielfilmen.


Fullshot
Der full shot, seltener auch complete view, ist eine besondere Form der halbtotalen Einstellung (medium long shot). Er zeigt nur die Personen und wenig oder gar nichts von deren Umgebung.

Midshot
(englisch medium shot, MS oder auch mid shot) Die Figuren werden vom Kopf abwärts gezeigt; die unmittelbare Umgebung ist im Hintergrund erkennbar. Eine Sonderform ist die amerikanische Einstellung (american shot, AS), in der die Darsteller bis etwa zum Knie gezeigt werden. Diese Einstellungsgröße wurde oft im Western verwendet, um die Cowboys mitsamt ihrer Waffe zu zeigen.

Close up
(englisch close-up, CU) Der Kopf der Figur und ein Teil der Schultern werden abgebildet. Manchmal sind Teile des gefilmten Objekts (Hüte usw.) abgeschnitten. Die Mimik steht hier deutlich im Vordergrund. Die Einstellungsgröße kann verwendet werden, um Gefühle im Stadium ihrer Entstehung zu zeigen oder Handlungen, die nur mit den Händen vorgenommen werden.

Youtube Beispiel:
Platoon
http://www.youtube.com/watch?v=yr7Ep7B44cQ


Extreme close up
englisch extreme close-up, ECU, oder choker close-up) Es wird nur ein Ausschnitt des Gesamtbildes gezeigt, beispielsweise nur die Augen oder der Mund eines Menschen oder andere wichtige Details der Szene, wie etwa die Worte die auf einem Computer getippt werden.
Die Aufmerksamkeit des Zuschauers wird auf einen kleinen Bildausschnitt gelenkt. Die intensive Bildwirkung vermittelt Intimität oder erzeugt auch eine abstoßende Wirkung.
Youtube-Beispiel:

Requiem for a dream
http://www.youtube.com/watch?v=ZnJWZ8v2jUA


Camera Angles

Eye Level:
Bei der Normalsicht befindet sich die Kamera auf der gleichen Höhe des gefilmten Objekts, bei einem Akteur meist auf der Augenhöhe. Die Normalsicht versucht im allgemeinen die natürliche perspektivische Wahrnehmung zu imitieren.
Damit geht aber auch einher, dass sich eine normale Sicht dennoch als Untersicht bzw. Aufsicht niederschlagen kann. Dies gilt etwa für hohe Objekte: ein Betrachtungswinkel, der den Pariser Eiffelturm in gerader Linie mittig betrachtet, ist nicht als Normalsicht zu bezeichnen, sofern man eine natürliche Wahrnehmung suggerieren will. Spiegelbildlich gilt das für die normale Aufsicht: blickt eine Reflektorfigur von einem erhöhten Standpunkt aus hinab, wird hier die Aufsicht eingesetzt. Dies geschieht auch aufgrund der Natürlichkeit dieser Perspektive in dieser Situation - und nicht zwangsläufig aufgrund der dramaturgischen Wirkung einer Untersicht.

Low angle:
Der Low-Angle-Shot (oder auch Untersicht) benennt einen Kamerastandpunkt, der Objekte aus einer niedrigen vertikalen Position aufnimmt.
Eine Untersicht kann eingesetzt werden um

• beim Zuschauer Ehrfurcht oder Erregung gegenüber dem Objekt zu erwecken,
• die Größe und Höhe des Objektes zu verstärken,
• Akteure räumlich zu trennen,
• Kompositionslinien zu verzerren und eine Erzwungene Perspektive herzustellen,
• den Horizont aus dem Bild zu entfernen oder
• einen unerwünschten Vordergrund verschwinden zu lassen.

Um eine Beziehung zwischen zwei Akteuren herzustellen, werden Untersichten aus o. g. Gründen auch eingesetzt, um mittels einer Point-of-View-Einstellung eine Dominanz eines Akteurs darzustellen.
Untersichten werden auch oft in Nachdrehs verwendet, da es die teilweise oder vollständige Ausblendung eines Hintergrundes erlaubt und so zum Beispiel Szenen im Freien nachgedreht werden können ohne dass das Filmset wieder aufgebaut werden müsste.
Wird eine Untersicht mit einem Weitwinkelobjektiv gefilmt kann leicht der Eindruck einer Karikatur entstehen.



High Angle
Als Aufsicht (oder Obersicht oder High-Angle-Shot) bezeichnet man eine erhöhte vertikale Kameraperspektive, die auf das Objekt herabblickt.
Eine Aufsicht kann eingesetzt werden um

• das Publikum mit der Umgebung eines Akteurs vertraut zu machen indem man diese wie eine Karte ausbreitet,
• eine Szene mit vielen Akteuren zu etablieren (ein Fußballspiel, eine Schlacht u.ä.),
• die Unterlegenheit oder Ohnmacht eines Akteurs (und evtl. seiner Situation) darzustellen.

Eine Aufsicht ist dabei weniger geeignet, um schnelle Aktionen (wie z.Bsp. in einem Rennen) auf Dauer abzubilden, da mit der Entfernung auch das Gefühl für Geschwindigkeit verloren geht.


Overhead shot
Der Overhead-Shot ist eine Sonderform der Aufsicht, bei der das Geschehen von oben eingefangen wird (ca. 90° Winkel zum Objekt). Bei der Aufnahme zum Beispiel eines Menschen von dieser Position aus sind nur noch Oberkopf und Schultern zu erkennen. Der Overhead-Shot als filmisches Stilmittel soll Kollektivität, Unwichtigkeit und Untergebenheit suggerieren.

Undershot (Froschperspektive)
Froschperspektive bezeichnet in der Filmtechnik eine extreme Untersicht. Die Kamera befindet sich auf einem sehr niedrigen Standpunkt zum Objekt und fängt dieses vertikal ein.
Äquivalent zum unten aufgeführten Top-Shot findet man punktuell immer wieder Einstellungen in Filmen, die sich als Sonderform der Untersicht bezeichnen lassen. Das Objekt wird im 90°-Bereich von unten eingefangen, die Kamera befindet sich also theoretisch im und unterhalb des Bodens. Ein Mensch von dieser Perspektive aus betrachtet, müsste also zum Beispiel auf einer Glasscheibe stehen, so dass die Kamera genau auf die Schuhsohlen blicken kann. Dieser Effekt ist allerdings selten und wird im Allgemeinen nicht viel mehr als eine Spielerei angesehen, da die dramaturgische Aussagekraft eher beschränkt ist.

Dutch Angle:
Bei der Schrägsicht (auch gekippte Kamera oder Dutch Angle genannt) befindet sich die vertikale Achse der Kamera in einem Winkel zur vertikalen Achse des Objekts, das Bild auf der Leinwand steht somit schräg und verliert seine Balance. Diese Kameraperspektive wird oft aus dramaturgischen Gründen gewählt um Verwirrung, Andersartigkeit, Gewalt und Instabilität einer Situation oder eines Akteurs auszudrücken. Da diese Perspektive den Zuschauer von der eigentlichen Geschichte ablenkt, wird sie nur selten angewandt.
Schrägsichten steigern oft ihre Effektivität wenn sie einer Normalsicht folgen und zum Beispiel eine chaotische oder gewalttätige Szene zeigen, die plötzlich über eine ruhige Situation hereinbricht.
In der Werbebranche werden Schrägsichten oft verwandt um schnell geschnittenen Einzelbildern eine stärkere Dynamik zu geben und somit gewöhnliche Abläufe kraftvoller darzustellen.
Eine Schrägsicht wird gewöhnlicherweise mit einer Untersicht gefilmt. In Kombination mit anderen Perspektiven, Kamerabewegungen und -fahrten kann ein surrealer Eindruck entstehen.

Zusammenfassendes Video einiger Kameraeinstellungen:
http://www.youtube.com/watch?v=d1japIhK ... re=related

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Quellen:
(zusätzlich zu im Fließtext angegebenen):
http://de.wikipedia.org/wiki/Einstellungsgröße
http://de.wikipedia.org/wiki/Kameraperspektive


Zuletzt geändert von Alloron am 03 Jun 2010, 18:03, insgesamt 2-mal geändert.
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 Betreff des Beitrags: Re: Farbenlehre und Kameranutzung
BeitragVerfasst: 01 Jun 2010, 19:44 
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Registriert: 09 Mai 2008, 16:36
Beiträge: 639
Moin,

also ich persönlich finde das Thema hochinteressant.

Ich beschäftige mich mit dem Thema Farben und Kamera in Bezug auf Machinimas momentan eher aus einer intuitiven Perspektive heraus, sprich ich verlasse mich auf meinen mehr oder weniger guten Geschmack und mein Augenmaß. Eine eher wissenschaftliche Rangehensweise finde ich daher sehr interessant und freue mich, dass sich jemand damit beschäftigt.

Gruss

Varath

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Varath - Site Admin
Blackhand Pictures Machinima
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 Betreff des Beitrags: Re: Farbenlehre und Kameranutzung
BeitragVerfasst: 03 Jun 2010, 17:20 
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